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Film: Star Wars – ein Universum für mich

Die Macht erwacht und damit auch Erwartungen und Erinnerungen. Denn die wirkliche Macht des Krieg der Sterne liegt ganz wo anders.

Krieg der Sterne – drei Worte, die meine Jugendjahre fulminant geprägt haben. Die anderen drei waren: Die unendliche Geschichte. Beides Welten, die meine Phantasie Stunden um Stunden in Anspruch genommen haben. Star Wars damals vielleicht noch ein wenig mehr als Michael Endes Erzählung (wobei seine Idee des grenzenlosen Phantasiens sicherlich prägender für all meine späteren fiktionalen Welten geworden ist, vor allem, als sich diese mit Lovecrafts Traumland-Mythologie vermischte). Ich kann mich an viele, sehr viele Reisen in meine Imagination erinnern – an all die Schlachten und Abenteuer, die ich im Kosmos des Krieg der Sterne geführt habe. Und an mindestens ebenso viel Zeit im Hobbykeller, umgeben von Unmengen von heißgeliebten Star Wars-Figuren. Kampf um Kampf wurde aufgebaut, Kulissen gebastelt, Heldentaten durchlebt – wilde Verfolgungsjagden im X-Wing oder dem Rasenden Falken nachgestellt, der Kampf um Endor wieder und wieder bestritten (im getöpferte Ewok-Dorf), die Prinzessin wer weiß wie oft aus dem Todesstern befreit (die Inneneinrichtung war aus Pappe oder aus Lego), Han Solo immer wieder den Klauen Jabbas entrissen. Und natürlich besiegte Luke Skywalker seine Nemesis Vader unzählige Male in äußerst knappen Lichtschwertduellen (auch Dank hohem Wiederspielwert durch Luke in der Montur als Farmerjunge, als Eisrebell, im Bespin-Look oder später als Jedi ganz in schwarz). Das Imperium musste damals tagtäglich herbe Niederlage in Kauf nehmen, die drei Sturmtruppen, die ich besaß, unzählige Tode sterben. Dazu liefen die Schallplatten mit John Williams Soundtrack in Endlosschleife. Mit den Figuren wurde nicht nur im Kinderzimmer oder Hobbyraum gespielt, oft fanden die Schlachten im Wohnzimmer statt – meine Eltern brauchten den Fernseher damals nur bedingt, für Unterhaltung war gesorgt. Im Urlaub zur Oma wurden die Krieger ordentlich in einem Aktenkoffer verstaut, damit das Böse auch dort besiegt werden konnte. Han, Leia und Luke waren sehr lange sehr treue Begleiter. Die großen Fahrzeuge (den Falken, Lukes X-Wing, einen Rebellentransporter, einen AT-ST, aber leider nie ein AT-AT) gab es zu Weihnachten, Ostern oder Geburtstagen, die Figuren sogen das Taschengeld auf oder waren eng verbunden mit Großelterntreffen auf der Königsallee mit angeschlossenem Besuch im Spielzeuggeschäft Lütgenau. Und manchmal brachte mein Vater mir von Dienstreisen aus Amerika Highlights mit, die es (zumindest in meiner Erinnerung) im Laden nicht zu kaufen gab – den Chewbacca-Gürtel zum Figurentransport oder ein Lichtschwert (leider in rot), das ansatzweiße Geräusche verursachte, wenn man das Plastikrohr wild hin und her wedelte. Krieg der Sterne war Spiel.

Dieser spielbare Kosmos macht für mich den Kern meiner Faszination und Begeisterung für Star Wars aus. Es war eine Welt, die umrissen, aber nie vollkommen definiert war (wie Phantasien). Es gab Hoth, Tatooine, Dagobah und Endor, den Todesstern und ein Galaxie beherrschendes, aber unscharfes Imperium im Hintergrund. Es gab die Macht und die Jedi, von denen nur noch kümmerliche Reste übrig waren. Da waren Puzzlestücke, aber nie ein komplettes Bild. Was waren die Klon-Kriege? Wie scheiterten die Jedi? Warum wurde Vader zum dunklen Lord? Was, zum Henker, ist ein corellianischer Schmuggler? Gab es nur einen Wookiee? Woher bekamen die Rebellen ihre Ausrüstung? Gab es im ganzen verdammten Weltall wirklich keine Jedi mehr? Fragen, auf die es – zumindest in meiner Jugend – keine, oder nur spärliche Antworten gab. Die Filme sah man im Kino, mit etwas Glück vielleicht zweimal, wenn sie wieder aufgeführt wurden. Beim ersten Teil muss ich fünf oder sechs gewesen sein, in einem Provinzkino in Bayern. Den zweiten Teil in Heilbronn und den dritten in der Lichtburg in Düsseldorf (wenn ich mich nicht irre). In den Stunden im Kino musste man alles aufsaugen, denn danach blieben einem nur die Filmposter draußen, vielleicht noch ein paar Comics (die knallbunt und meist ziemlich außerhalb der klassischen Geschichte spielten), Informationsbrocken aus Filmbüchern und die Romanadaptionen der Filme. Oder die (mit mangelnden Englischkenntnissen) Interpretation der Packungsbeilagen der Kenner-Spielzeuge (Schon mal Spielzeuge aus der Rückkehr der Jedi-Ritter in der Hand gehabt, ohne den Film schon gesehen zu haben und gerätselt, wer die Figuren hinten auf der Packung sein könnten?). Die VHS-Version des ersten Teils war dann schon eine schwere Erschütterung der Macht. Es gab keine Online-Quellen mit erschlagenden Details, keine Prequels mit festgezurrten Vorgeschichten. Das war, für mich, auch der größte Fehler der neueren Filme (neben einigen offenkundigen) – das Zementieren eines phantastischen Universums, das verkrampfte Erklären einer mystischen Welt und ihrer Bewohner. Mein Star Wars war ein ganzer Weltraum für die Phantasie. Das war die magische und universelle Macht der ganzen Saga. Ich ließ mir erzählen, aber vor allem erzählte ich selbst. Viele, viele Stunden, viele, viele Abenteuer lang.

Das Erwachen der Macht hat dagegen sicherlich einen schweren Stand. Und muss diese Magie (zumindest für mich selbst) vielleicht auch nicht mehr in solcher Stärke besitzen. Aber es ist meine neue Hoffnung, dass etwas davon erneuten Anklang findet.

 

 

 

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