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Post-Rock: If These Trees Could Talk

„Here I was born, and there I died. It was only a moment for you; you took no notice.“

Dort im Zwielicht unter den uralten Bäumen liegt die Welt eingefroren zwischen dem Jetzt und dem Damals. Zwischen Traum und Wirklichkeit. Verwunschen, melancholisch, mahnend. Eine eigenartige Stimmung, wie sie in der Waldsequenz aus Hitchcocks Vertigo – Aus dem Reich der Toten zu finden ist. Madeleine spricht diese Sätze, während sie selbst gefangen ist zwischen dem Leben einer Fremden und ihrem eigenen. Und etwas davon schwingt der Musik der amerikanischen Post-Rock-Band If These Trees Could Talk (ITTCT) mit. Liegt vermutlich am Bandnamen. Und an den Liedern, die sich zwischen ruhigen, leicht melancholischen und wallenden, rockigen Passagen ausbreiten, immer wieder eine Kraft und Urtümlichkeit suggerieren, wie es eben jene Baumriesen aus Vertigo tun. Ob dabei Hoffnung besteht, dem verzaubernden Zwielicht zu entkommen, oder man in jener Zwischenwelt gefangen bleibt, muss der Zuhörer entscheiden, wenn er die Augen schließt und sich auf die Musik einlässt.

2005 als College-Projekt gegründet, hat die Truppe aus Akron, Ohio, mittlerweile eine EP und zwei Alben produziert. Diese werden dieses Jahr bei Metal Blade Records neu aufgelegt, vor allem aber arbeiten Tom Fihe, Jeff Kalal, Cody Kelly, Zack Kelly und Mike Socrates an ihrem dritten Album.

Was ITTCT da bisher abgeliefert haben, ist guter Post-Rock, der zwar klangverliebt ist, aber ohne großartige Soundexperimente auskommt. Reduziert auf das, was man von dem Genre erwarten möchte. Die Stücke kommen selten über sechs Minuten. Das macht es stellenweise schwer, die einzelnen Lieder abzugrenzen – könnte man als Schwäche sehen, muss man aber nicht. Denn vielmehr greifen die Stücke ineinander, ziehen den Zuhörer in die Schatten der gewaltigen Bäume und lassen ihn Emotionen und Geschichten erleben.

If These Trees Could Talk (2006)http://f1.bcbits.com/img/a0676968397_16.jpg

  1. Malabar Front
  2. Smoke Stacks
  3. The Friscalating Dusklight
  4. Signal Tree
  5. The Death of Paradigm
  6. 21 4’23n, -81 31’4w

Die Debüt-EP, anspielen hieraus Malabar Front  und Signal Tree.

Above the Earth, Below the Sky (2009)http://f1.bcbits.com/img/a3868325162_16.jpg

  1. From Roots To Needles
  2. What’s in the Ground Belongs to You
  3. Terra Incognita
  4. Above The Earth
  5. Below The Sky
  6. The Sun Is In The North
  7. Thirty-Six Silos
  8. The Flames of Herostratus
  9. Rebuilding The Temple Of Artemis
  10. Deus Ex Machina

Reinhören in What’s in the Ground Belongs to You, Below the Sky und Thirty-Six Silos. Schöner Ausreißer ist hier Deus Ex Machina, recht melancholisch, das an Godspeed You! Black Emperor erinnert.

Red Forest (2012)https://f1.bcbits.com/img/a1569430536_16.jpg

  1. Breath Of Life
  2. The First Fire
  3. Barren Lands of the Modern Dinosaur
  4. They Speak With Knives
  5. The Gift of Two Rivers
  6. Red Forest
  7. Aleutian Clouds
  8. Left To Rust and Rot
  9. When The Big Hand Buries The Twelve

Hier verliebt man sich schon mal in den reinen Titel Barren Lands of the Modern Dinosaur, der aber auch musikalisch gefällt. Noch besser klingt allerdings They Speak With Knives.

Mehr hören kann man auf der Bandcamp-Seite von ITTCT.

Published inMusik

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